Maru und seine Superheldin

Geschwisterliebe

Idee + Text: Shasha Seakamela

Illustration: Frank Lunar

Verlag: HaWandel Verlag

Altersempfehlung: 3-5 Jahre

Für den kleinen Maru ist seine große Schwester eine Superheldin! Wenn er mit ihr Verstecken spielt, verschwindet sie immer auf unerklärliche Weise – das muss an ihrer Superkraft liegen! Doch eines Tages entdeckt Maru das offene Gartentor und folgt seiner Schwester Selaelo und deren Freund*innen bei ihren verschiedenen Spielen. Während seine Schwester – die nicht immer Lust auf den kleinen „nervigen“ Bruder hat – immer wieder wegläuft, sobald er sich nähert, hat Maru auf seine eigene Weise Spaß. Besonders aufgeregt ist er, als er einen Eiswagen entdeckt. Als er in Schwierigkeiten gerät, ist seine Schwester trotzdem immer zur Stelle, um ihm zu helfen.

Im Buch stellt sich die typische Situation dar: der kleine Bruder schaut zu seiner großen Schwester auf und bewundert sie – sie ist in mehr als einer Hinsicht seine Superheldin. Die große Schwester ist davon oft genervt, will ihren kleinen Bruder aber gleichzeitig beschützen und ist an seiner Seite, wenn er sie braucht. So oder so ähnlich wird sich das in vielen Familien abspielen und es ist daher schön, dass es ohne Wertung oder Moral einfach als Realität dargestellt wird, in der sich sowohl das große, als auch das kleine Geschwisterkind wiederfinden kann.

Eine Besonderheit des Buches ist dessen Zweisprachigkeit in Englisch und Deutsch. Das ist toll als Unterstützung von zweisprachigem Aufwachsen, zur Vermittlung an Kinder, dass es auf dieser Welt viele Sprachen gibt und natürlich zum Englisch lernen. Toll ist auch die Vielfalt auch in den Namen. Im Englischen gefällt mir der Text allerdings etwas besser als im Deutschen. Schön, dass darauf geachtet wurde, das englische friends mit der modernen und inklusiven Schreibweise mit Gendersternchen wiederzugeben („Sie spielt lieber mit ihren Freund*innen Fen, Karl und Ava“). Beim Vorlesen habe ich mich allerdings für die Variante: „Sie spielt lieber mit ihren Freundinnen Fen und Ava und ihrem Freund Karl“ entschieden.

Während ich das Buch beim ersten Mal lesen ehrlicherweise etwas enttäuschend fand, da ich auf die große Wendung oder den Höhepunkt der Handlung wartete, gefiel es mir beim weiteren Lesen von Mal zu Mal besser. Gerade die Unaufgeregtheit und „Normalität“ der Handlung machen den Charme des Buches aus. Die Dreijährige fand es ohnehin von Anfang an gut, vielleicht weil auch sie es – wie wohl die meisten Kinder – liebt, Verstecken zu spielen, zu hüpfen und Eis zu essen! Das Buch bietet auch einige Gesprächsanregungen. Erst nach mehrmaligem Lesen fiel uns zum Beispiel auf, dass Selaelos Freund Karl – der in der Handlung auch keine große Rolle spielt – auf einer Seite einen Arm nur bis zum Ellenbogen hat – für meine Tochter zunächst sehr überraschend, nach einem Gespräch aber schnell als „normal“ akzeptiert.

Sehr schöne Zeichnungen vom südafrikanischen Grafiker Frank Lunar, die Maru häufig auf einer Seite in verschiedenen Positionen zeigen und dadurch viel Bewegtheit in die Bilder bringen.

Alles in allem also ein sehr schönes Buch, in dem es normal ist, dass man sich in einer Familie auch mal auf die Nerven geht oder die Gesellschaft anderer sucht, aber sich trotzdem liebt und wenn es darauf ankommt, immer füreinander da ist!

Wie auch In Nelly und den Berlinchen wird auch im neuen Buch aus dem HaWandel-Verlag wieder Vielfalt als Normalität gezeigt und trägt so zum Empowerment von Kindern bei.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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